Leselust. Damit fing alles an.

 

Rund 1.000 Bücher später bin ich des Lesens immer noch nicht überdrüssig. Im Gegenteil. Feinsinnige Literatur ist eine meiner köstlichsten Vergnügungen.

 

Die Freude am Schreiben kam später. Heute fange ich gerne Gedanken ein und bringe sie auf Papier.

Als ich noch ein kleines Mädchen war, brachte mein Vater mir jeden Monat einen Schwung neuer handverlesener Bücher aus der Bibliothek mit. Sein Vergnügen an guter Literatur war offensichtlich – manchmal wies er mich auf besonders gelungene Passagen hin, meist konnte ich es aber in seiner Stimme hören. Die Art, wie er betonte, wie er nach einem Satz vielleicht eine Pause ließ – obwohl ich auf seinem Schoß saß, konnte ich oft hören, dass er beim Lesen lächelte.

 

Ich liebte das gemeinsame Vorlesen, genauso wie die Bücher selbst. Kuriose Figuren wurden Freunde, unbekannte Welten ein Zuhause.

 

In der schönen Literatur erfreue ich mich heute an den Geschichten und an der Sprache gleichermaßen. Wenig verwunderlich also, dass mich die Vorliebe für Dichtkunst und Wortwitz immer begleitet hat – und Türöffner war für allerlei Spielarten von Kabarett bis Rap. Gewissermaßen glaube ich, dass Rap-Musik mein Gehör für gute Texte mehr geschult hat als die stumpfe Obduktion der klassischen Literatur im Deutschunterricht.

 

Parallel dazu stellte ich fest, dass Bücher noch viel mehr enthalten können als Geschichten in schöner Sprache. Wissen!

 

So entwickelte ich schon früh eine Begeisterung für Sachbücher, die sich im Laufe der Zeit auch auf neue technische Entwicklungen ausgestreckt hat.

Geschichten sind Fenster in das Leben anderer – seien sie nun fiktiv oder echt. Das kann aufregend sein, amüsant oder beunruhigend. Geschichten können Mut machen, Trost spenden, aufrütteln. Geschichten klingen in der eigenen Persönlichkeit an und reagieren mit dem selbst Erlebten.

Erkenntnisse und Fakten hingegen, die andere Menschen zu einem Thema zusammengetragen haben, fügen dem eigenen Denken neue Komponenten hinzu. Die Möglichkeit, auf langjährige Forschungsarbeiten, Gedankengänge und Konstrukte anderer Personen zugreifen zu können, ist für mich heute noch im wahrsten Sinne beglückend.

Ich bin die Tochter eines Malers und einer Pferdeflüsterin, geboren 1988 am Morgen nach einer Gewitternacht. Ich liebe Erdnussbutter und die Gedichte von Johann König. Ich lache sehr laut, spiele aber auf dem Klavier fast immer zu leise. Manchmal habe ich unverschämtes Glück, manchmal warte ich ab, was kommt. Und ich teile mein Leben mit dem Boy (ehemals Zwerg), der mich zum Lachen bringen kann wie kein Zweiter.

In meinem Leben habe ich eine Menge verschiedener Dinge getan. Ich habe Architektur studiert, Psychologie und Philosophie. Im Naturgartenbau gearbeitet oder in unterschiedlichen Büros. Im Auftrag Konzepte erstellt. Ich bin ausgebildete Geburtsbegleiterin und Postnataltrainerin. Ich habe viele Jahre lang Mathematik unterrichtet. Ich war Tagesmutter. Ich habe beraten in Themen, mit denen ich mich gut auskenne oder verwiesen an Fachleute oder gute Quellen, die ich auf meinem Weg gefunden habe.

All diese Tätigkeiten hatten die gleiche Motivation: einen Unterschied zu machen.

 

Als Kind war es nicht mein Berufswunsch, sondern meine Überzeugung, dass ich Erfinderin war und mein Leben lang sein würde. Gemeint habe ich es so, dass ich Konzepte oder Produkte erfunden habe, die das Leben der Menschen verbessern sollten. Unzählige Skizzen von Kinderhand, Detailzeichnungen und Notizen fanden sich zwischen Bildern von Dinosauriern, Monstern oder Pferden im Schlafsack (wahre Geschichte).

Auch heute noch brenne ich für innovative Ideen, die Hand und Fuß haben. Smarte Technologie, moderne Wissenschaft, nachhaltiges Bauen und soziale Projekte sind die tragenden Säulen meiner Begeisterung.

Ich freue mich auf eine Revolution der Bildung, denn Schule 2.0 ist zum Greifen nah. Kognitionswissenschaften, Philosophie und Entwicklungspsychologie ebnen den Weg für eine neue Pädagogik, die nicht nur die veraltete Beschulung nicht mehr tragen kann, sondern auch liquiden und unvermittelten Zugang zur neuesten Bildung ermöglichen wird.

Ebenso setze ich mich für die Selbstermächtigung der Frauen ein. Individuelle Sexualität, kraftvolles und selbstbestimmtes Gebären und ein fundiertes Wissen über den eigenen Körper finde ich ebenso wichtig wie den Zugang zu weiblichem Unternehmertum oder die Vielfalt kreativer und emanzipierter Mutterschaft.

Ich bin neugierig auf alternative Lebens- und Wohnformen, seien es weltweite Unterschiede zwischen Kulturen und Gruppierungen, historische und philosophische Ansätze oder ganz neue Entwicklungen. Entworfene Gemeinschaften ebenso wie natürlich gewachsene. Besonders verfolge ich den Werdegang des digitalen Nomadentums und die Untergrabung von Grenzen, Staaten und Autorität durch die Blockchain-Technologie.

„Tanzen“, sagte der Schafsmann. „Immer weitertanzen, solange die Musik spielt. Verstehst du, was ich meine? Tanzen. Weitertanzen. Und nicht darüber nachdenken, warum du tanzt. Versuche nicht, einen Sinn darin zu finden. Es gibt nämlich keinen. Sobald du anfängst zu denken, versagen dir die Beine. (…) Achte also darauf, dass deine Füße nicht innehalten. Lass dich nicht abhalten, auch wenn es dir töricht erscheinen mag. Tanzen, einfach weitertanzen. Dann wird sich die Starre lösen, wenn auch nur langsam. Zum Teil ist es noch zu retten. Alles Brauchbare kann benutzt werden. Tu dein Bestes. Es gibt nichts zu befürchten. Du bist sicher erschöpft. Müde und verängstigt. Das macht jeder mal durch. Man hat das Gefühl, alles läuft schief. Deshalb erstarren die Beine.“

Haruki Murakami – Tanz mit dem Schafsmann

Reisen. Neues entdecken. Draußen sein und Zeit haben. An meine Grenzen kommen. Zur Ruhe kommen. Endorphine und Adrenalin. Die Atmosphäre aufnehmen, mit den Fußsohlen, dem Gaumen, der Haut. Kitzelnde Farben oder weiter Blick, die Stille zwischen den unbekannten Geräuschen oder die Art, wie der Wind weht. Reisen.

Oder wie Warsan Shire sagt: „At the end of the day, it isn't where I came from. Maybe home is somewhere I'm going and have never been before.“